Strategie und Führung – 5 Punkte warum strategisches Denken für Führungskräfte unverzichtbar ist

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In einer Welt, die von raschem Wandel, komplexen Märkten und stetigem Wettbewerbsdruck geprägt ist, stehen Führungskräfte vor immer größeren Herausforderungen. Entscheidungen müssen schneller getroffen, Ressourcen effizienter eingesetzt und Teams zielgerichteter geführt werden. Doch wie gelingt es, in diesem dynamischen Umfeld nicht nur zu reagieren, sondern aktiv die Zukunft zu gestalten? Die Antwort liegt im strategischen Denken und Handeln.

Strategie ist weit mehr als nur ein Buzzword oder ein theoretisches Konzept für die Führungsebene großer Konzerne. Sie ist der Kompass, der Führungskräfte durch Unsicherheiten leitet, Prioritäten setzt und langfristige Erfolge sicherstellt. Dabei geht es nicht nur darum, möglichst effizient zu arbeiten – denn operative Exzellenz allein reicht nicht aus, um sich nachhaltig von Wettbewerbern abzuheben. Vielmehr erfordert Strategie die bewusste Entscheidung, Dinge anders und einzigartig zu tun.

Dieser Artikel beleuchtet, warum Strategie und Führung untrennbar miteinander verbunden sind und welche Rolle strategisches Denken im Alltag von Führungskräften spielt. Dabei greifen wir zentrale Erkenntnisse des renommierten Managementexperten Michael E. Porter auf, dessen Definition von Strategie bis heute als Maßstab gilt: „The essence of strategy is choosing to perform activities differently than rivals do.“ Im weiteren Verlauf zeigen wir auf, wie Führungskräfte ihre Strategie nicht nur entwickeln, sondern auch regelmäßig überprüfen und anpassen – etwa durch ein Halbjahres-Review, das den Fortschritt messbar macht und den Blick zurück mit dem Blick nach vorne verbindet.

Ob Sie als Führungskraft gerade Ihre erste Strategie formulieren oder Ihre bestehende Führungspraxis verbessern möchten – dieser Artikel bietet wertvolle Impulse und praktische Ansätze, um strategisch fundierte Entscheidungen zu treffen und erfolgreich umzusetzen.

1. Was ist Strategie wirklich?

Viele Führungskräfte verwechseln Strategie mit operativer Effizienz – also der Fähigkeit, bestehende Prozesse möglichst reibungslos und kostengünstig umzusetzen. Diese operative Exzellenz ist wichtig und notwendig, doch sie reicht allein nicht aus, um langfristig erfolgreich zu sein. Michael E. Porter, einer der renommiertesten Experten für Unternehmensstrategie, bringt es auf den Punkt:

„The essence of strategy is choosing to perform activities differently than rivals do.“ (Porter, 1996)

Das bedeutet, Strategie ist die bewusste Entscheidung, sich durch Einzigartigkeit von Wettbewerbern abzuheben. Es geht nicht darum, einfach besser oder schneller zu sein, sondern darum, anders zu sein – und dadurch nachhaltige Wettbewerbsvorteile zu schaffen.

Kernmerkmale einer nachhaltigen Strategie

Eine wirkungsvolle Strategie zeichnet sich durch mehrere wesentliche Merkmale aus:

  • Langfristigkeit: Strategie ist kein kurzfristiges Projekt oder eine spontane Maßnahme. Sie verlangt eine klare Ausrichtung über einen längeren Zeitraum hinweg, damit sich der Aufwand in dauerhaften Erfolgen widerspiegelt.
  • Fokus auf Einzigartigkeit: Statt zu versuchen, alle Marktbedürfnisse zu bedienen, konzentriert sich eine Strategie auf spezifische Zielgruppen und Bedürfnisse, die das Unternehmen auf besondere Weise erfüllt.
  • Ganzheitliches Aktivitätensystem: Strategie ist nicht nur eine einzelne Maßnahme, sondern ein abgestimmtes System von Aktivitäten, das zusammenwirkt und schwer imitierbar ist.

2. Warum Strategie für Führungskräfte so wichtig ist

Führung bedeutet heute weit mehr als nur das effiziente Verwalten von Ressourcen oder das Managen des Tagesgeschäfts. Erfolgreiche Führungskräfte verstehen, dass sie vor allem strategisch denken und handeln müssen, um ihre Organisationen langfristig zu steuern und Wettbewerbsvorteile zu sichern.

Die Verbindung zwischen Strategie und Führung

Strategie ist das Fundament, auf dem Führung aufbaut. Sie definiert den Rahmen für Entscheidungen, Prioritäten und Maßnahmen. Ohne eine klare Strategie drohen Führungskräfte, sich in operativen Details zu verlieren, ohne das große Ganze im Blick zu behalten. Michael E. Porter hebt die Bedeutung der bewussten Entscheidung hervor, bestimmte Aktivitäten zu verfolgen – und andere bewusst auszuschließen:

„Strategy renders choices about what not to do as important as choices about what to do.“ (Porter, 1996)

Diese Fähigkeit, auch bewusst „Nein“ zu sagen, ist für Führungskräfte entscheidend, um Ressourcen zielgerichtet einzusetzen und Teams auf die wesentlichen Ziele auszurichten.

Eine klare Strategie gibt Orientierung und hilft, auch in unsicheren Zeiten die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wie Führungskräfte gerade in Krisen empathisch und souverän führen, erfahren Sie im Artikel Führen in Krisenzeiten – 7 Tipps für souveräne und empathische Führung.“

 

Warum strategisches Denken unverzichtbar ist

  1. Priorisierung und Fokus: Führungskräfte müssen ständig entscheiden, welche Projekte, Produkte oder Maßnahmen den größten Beitrag zum Erfolg leisten. Strategie gibt den Kompass vor, an dem sich Prioritäten messen lassen.
  2. Effiziente Ressourcensteuerung: Ressourcen wie Zeit, Geld und Personal sind begrenzt. Eine klare Strategie hilft dabei, diese Ressourcen dort einzusetzen, wo sie den größten Hebel entfalten.
  3. Motivation und Orientierung: Teams brauchen eine klare Vision und nachvollziehbare Ziele, um motiviert und zielgerichtet zu arbeiten. Strategie schafft diese Orientierung und fördert das Engagement.
  4. Bewältigung von Komplexität: In einem immer komplexeren Umfeld ist Strategie der Anker, der hilft, Veränderungen zu antizipieren und aktiv zu gestalten, statt nur zu reagieren.

Praxisbeispiel: Führungskräfte und strategische Entscheidungen

Eine Führungskraft, die ihre Strategie klar definiert hat, wird beispielsweise entscheiden, ob sie in Innovation investiert, eine Marktnische bedient oder auf Kostenführerschaft setzt. Dabei verzichtet sie bewusst auf andere Möglichkeiten, um die Kräfte zu bündeln und eine klare Positionierung zu erreichen.

Strategie und Führung - eine Gruppe Führungskräfte sitzt an einem Bürotisch und spricht über Strategie

3. Strategisches Denken im Führungsalltag

Für Führungskräfte ist strategisches Denken kein einmaliger Akt, sondern eine kontinuierliche Haltung, die den Alltag prägt. Es geht darum, Entscheidungen, Kommunikation und Handlungen immer im Kontext der übergeordneten Strategie zu betrachten und auszurichten.

Entscheidungen im Einklang mit der Strategie

Führungskräfte treffen täglich zahlreiche Entscheidungen – von der Ressourcenverteilung über Personalfragen bis hin zur Produktentwicklung. Strategisches Denken bedeutet hier, stets zu prüfen, ob diese Entscheidungen mit der definierten Strategie übereinstimmen und dazu beitragen, die langfristigen Ziele zu erreichen.

Kommunikation strategischer Ziele

Eine klare und konsequente Kommunikation der Strategie ist entscheidend, damit das gesamte Team die Richtung versteht und gemeinsam darauf hinarbeitet. Führungskräfte müssen sicherstellen, dass strategische Prioritäten verständlich vermittelt werden und jeder Mitarbeitende seinen Beitrag erkennt.

„Strategie lebt vom Umsetzen und von der Anerkennung kleiner und großer Erfolge. Warum es wichtig ist, Erfolge bewusst zu feiern und wie das die Motivation des Teams stärkt, erklären wir im Artikel Die Kunst des Feierns – 10 Gründe, warum Führungskräfte Erfolge zelebrieren sollten.“

Prioritäten setzen und Ressourcen lenken

Nicht jede Aufgabe ist gleich wichtig. Strategisches Denken hilft Führungskräften dabei, Prioritäten zu setzen und Ressourcen gezielt zu lenken – sowohl personell als auch finanziell. Dies schafft Klarheit und vermeidet Streuverluste.

Typische Fehler vermeiden

Oft wird Strategie mit kurzfristigem Aktionismus verwechselt: Schnell auf Markttrends reagieren oder einzelne Projekte umsetzen, ohne das große Ganze zu berücksichtigen. Führungskräfte müssen wachsam sein, um nicht in operativen Alltagssog zu geraten, sondern strategisch fokussiert zu bleiben.

4. Strategie messbar machen: Der Halbjahres-Review

Strategie ist nicht statisch – sie lebt von der kontinuierlichen Überprüfung und Anpassung. Für Führungskräfte ist es entscheidend, den Fortschritt der strategischen Ziele regelmäßig zu messen und zu reflektieren. Ein bewährtes Instrument dafür ist das Halbjahres-Review. Jetzt im Juli ist ein guter Zeitpunkt, das vergangene Halbjahr einmal Revue passieren zu lassen und die Zielsetzung zu Beginn des Jahres mit dem Fortschritt zur Jahresmitte abzugleichen.

Warum regelmäßige Kontrolle wichtig ist

Ohne Messung und Bewertung bleiben Strategie und Ziele oft abstrakt und verlieren ihre Wirkung. Ein strukturierter Rückblick alle sechs Monate ermöglicht es, Entwicklungen zu erkennen, Erfolge zu feiern und Herausforderungen frühzeitig anzugehen.

Die Bestandteile eines Halbjahres-Reviews

  • Bestandsaufnahme: Wo standen wir vor sechs Monaten? Welche Ziele hatten wir definiert?
  • Ergebnisanalyse: Welche Fortschritte wurden erzielt? Welche Ziele sind erreicht, welche nicht?
  • Ursachenanalyse: Warum wurden bestimmte Ziele verfehlt? Waren die Annahmen noch gültig?
  • Anpassung der Strategie: Müssen Schwerpunkte neu gesetzt oder Maßnahmen angepasst werden?

Tools und Methoden

Für die Bewertung können verschiedene Instrumente genutzt werden, z. B. OKRs (Objectives and Key Results), die Balanced Scorecard oder spezifische Strategie-Retrospektiven. Wichtig ist, dass die Messgrößen klar definiert und nachvollziehbar sind.

Selbstreflexion der Führungskraft

Neben der objektiven Zielerreichung ist auch die persönliche Reflexion der Führungskraft zentral:

  • Welche Ziele hatte ich mir vor sechs Monaten gesetzt?
  • Wo stehe ich heute im Vergleich dazu?
  • Welche Erfolge habe ich erzielt und welche Herausforderungen gab es?
  • Was habe ich aus dem vergangenen halben Jahr gelernt?
  • Welche Kompetenzen oder Verhaltensweisen möchte ich weiterentwickeln?
  • Wie kann ich mein Führungsverhalten besser auf die strategischen Ziele ausrichten?

Diese Selbstreflexion unterstützt Führungskräfte dabei, nicht nur operative Ergebnisse, sondern auch die eigene Entwicklung im Blick zu behalten und gezielt zu steuern.

Verbindung zu Führung und Motivation

Indem Führungskräfte ihre eigene Zielerreichung reflektieren und transparent kommunizieren, schaffen sie Vorbildfunktion und fördern eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung im Team.

5. Strategische Führung kontinuierlich stärken

Strategisches Denken und Handeln ist keine einmalige Aufgabe, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Führungskräfte sollten sich regelmäßig Zeit nehmen, um ihre Strategie kritisch zu hinterfragen und ihre Führungskompetenzen weiterzuentwickeln.

Kontinuierliche Weiterentwicklung der Strategie

Eine erfolgreiche Strategie lebt von Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Führungskräfte müssen offen für Veränderungen sein, Marktbedingungen beobachten und bei Bedarf die strategische Ausrichtung justieren. Dabei ist es wichtig, langfristige Ziele im Blick zu behalten und gleichzeitig auf aktuelle Herausforderungen agil zu reagieren.

Förderung einer strategischen Denkweise im Team

Strategie wird nur dann wirksam, wenn sie im gesamten Team gelebt wird. Führungskräfte tragen die Verantwortung, eine Kultur zu fördern, die strategisches Denken unterstützt. Das bedeutet, Mitarbeitende in die Strategieentwicklung einzubeziehen, Transparenz zu schaffen und die Bedeutung strategischer Ziele immer wieder zu kommunizieren.

Selbstreflexion als Schlüsselkompetenz

Die Fähigkeit zur Selbstreflexion gehört zu den wichtigsten Führungsqualitäten. Führungskräfte sollten sich regelmäßig fragen, ob ihre Entscheidungen und ihr Führungsstil im Einklang mit der Strategie stehen. Selbstreflexion ermöglicht es, blinde Flecken zu erkennen und die eigene Wirkung auf das Team gezielt zu verbessern.

Strategische Prioritäten regelmäßig überprüfen

In einem dynamischen Umfeld verändern sich Rahmenbedingungen schnell. Führungskräfte sollten daher nicht nur ihre langfristigen Ziele im Blick behalten, sondern auch immer wieder prüfen, ob die aktuellen Prioritäten noch sinnvoll sind. Dies schafft Raum für Innovation und sorgt dafür, dass Ressourcen effizient eingesetzt werden.

Fazit & Handlungsempfehlungen

Strategie und Führung sind untrennbar miteinander verbunden. Für Führungskräfte bedeutet das, dass strategisches Denken und Handeln zu ihrem täglichen Werkzeug gehören müssen, um in einem komplexen und dynamischen Umfeld erfolgreich zu sein.

Eine klare und einzigartige Strategie gibt Orientierung, hilft Prioritäten zu setzen und Ressourcen effizient zu lenken. Michael E. Porters Erkenntnis, dass Strategie vor allem aus bewussten Entscheidungen besteht, bestimmte Aktivitäten anders und besser als die Wettbewerber zu gestalten, ist heute relevanter denn je.

Gleichzeitig darf Strategie nicht statisch bleiben. Ein regelmäßiges Halbjahres-Review ermöglicht es Führungskräften, die Zielerreichung zu messen, Erfolge zu reflektieren und Anpassungen vorzunehmen. Besonders wichtig ist dabei die Selbstreflexion: Führungskräfte sollten ihre eigenen Ziele, Entscheidungen und ihr Führungsverhalten kontinuierlich hinterfragen, um sich und ihre Teams bestmöglich weiterzuentwickeln.

Fünf Fragen für Führungskräfte, um strategischer zu handeln:

  1. Welche langfristigen Ziele habe ich mir gesetzt – und sind sie noch aktuell?
  2. Welche Aktivitäten heben mich und mein Team von Wettbewerbern ab?
  3. Setze ich meine Ressourcen bewusst und fokussiert ein?
  4. Wie oft überprüfe ich den Fortschritt meiner strategischen Ziele?
  5. Reflektiere ich regelmäßig mein eigenes Führungsverhalten im Kontext der Strategie?

Strategie ist kein Selbstzweck, sondern das Fundament nachhaltiger Führungserfolge. Nutzen Sie diese Erkenntnisse, um Ihre Führungsrolle strategisch zu stärken und Ihr Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen. Wenn Sie Unterstützung dabei wünschen, biete ich individuelle Coaching-Optionen an, um Sie auf Ihrem Weg zu begleiten. Buchen Sie Ihr unverbindliches Erstgespräch gerne hier.

Quellen:

  • Porter, M. E. (1996). What Is Strategy? Harvard Business Review, November–Dezember, 61(6), 61–78. 
  • Johnson, G., Scholes, K., & Whittington, R. (2008). Exploring Corporate Strategy (8th ed.). Pearson Education.
  • Dess, G. G., Lumpkin, G. T., & Eisner, A. B. (2014). Strategic Management: Creating Competitive Advantages (7th ed.). McGraw-Hill Education.
  • D’Aveni, R. A. (1994). Hypercompetition: Managing the Dynamics of Strategic Maneuvering. Free Press.